Als Horst Lichter das kleine Motorrad im Walzwerk entdeckte, leuchteten seine Augen wie bei einem Kind an Weihnachten. Für Christiane war es jedoch mehr als nur ein altes Karussellstück. Jahrelang hatte sie darauf Kinder gesetzt, die Angst vor ihrer ersten Brille hatten. Während sie erzählte, wurde es plötzlich still im Raum. Man spürte, dass dieses Motorrad Erinnerungen trug – an lachende Kinder, an Tränen, an Eltern voller Sorge. Doch nun musste sie loslassen. Als Experte Detlev Kümmel den besonderen Wert enthüllte, kämpfte Christiane mit den Tränen. In diesem Moment wurde allen klar: Manche Gegenstände sind nicht wertvoll wegen ihres Preises, sondern wegen der Geschichten, die sie bewahren.

Köln – Horst Lichter (64) ist das Gesicht von “Bares für Rares“. Aber dass ein Händler der beliebten ZDF-Trödelshow Mitleid mit dem Moderator zeigt, kommt eher selten vor.

Horst Lichter (64) schwärmt geradezu vom kleinen Motorrad, welches Christiane Wolf (65) mit zu "Bares für Rares" gebracht hat.
Horst Lichter (64) schwärmt geradezu vom kleinen Motorrad, welches Christiane Wolf (65) mit zu “Bares für Rares” gebracht hat.  © Screenshot/ZDF/Bares für Rares

“Das ist wieder mal ein Objekt, wo ich gerne Händler wäre”, stellt der frühere TV-Koch Lichter beim ersten Anblick des “heißen Ofens” klar.

Denn Christiane Wolf (65) hat ein kleines Motorrad mit in die heiligen Trödelhallen des Pulheimer Walzwerks mitgebracht, welches einst zu einem Kinderkarussell gehört habe.

Allerdings habe die Augenoptikerin aus Düsseldorf das Zweirad für andere Zwecke genutzt, denn es habe dort gestanden, um “darauf Kindern Brillen anzupassen”.

Der 64-jährige Moderator kommt aus dem Schwärmen gar nicht heraus und erkennt, dass einige Bauteile sogar aussehen wie Originalteile.

“Die Alu-Blinker kenne ich, die sind von BMW und werden teuer gesucht”, gibt Lichter preis.

Tatsächlich stamme das Motorrad aber vom Brüsseler Hersteller Lenaerts, der zunächst Fahrräder und später auch Modelle für Fahrgeschäfte entwickelt habe, wie Experte Detlev Kümmel (58) weiß.

Durch die gut erhaltenen Sitzbezüge aus Kunstleder solle “das Modell an das weltbekannte Motorrad Indian Chief erinnern, bleibt aber natürlich stilisiert”, erklärt der Sachverständige.

Das Kirmes-Objekt soll in den 1950er- oder 60er-Jahren hergestellt worden sein.
Das Kirmes-Objekt soll in den 1950er- oder 60er-Jahren hergestellt worden sein.  © Screenshot/ZDF/Bares für Rares

“Bares für Rares”-Händler liefern sich Bietergefecht

Julian Schmitz-Avila (39) zeigt Mitleid mit dem Moderator.
Julian Schmitz-Avila (39) zeigt Mitleid mit dem Moderator.  © Screenshot/ZDF/Bares für Rares

Demnach sei das Kirmes-Objekt samt Gummireifen und Chrom-Ausstattung in den 1950er- oder 1960er-Jahren gefertigt worden.

Beim Wunschpreis hat die Düsseldorferin eine klare Meinung. “Ein Tausi wär schön”, macht Christiane Wolf klar.

Der Experte kenne die Preise aus Foren, weshalb er 700 bis 1000 Euro für realistisch halte.

“Da kenne ich jemanden, der wieder sauer ist, dass er kein Händler ist”, zeigt Julian Schmitz-Avila (39) Mitleid mit Horst Lichter.

Der 39-Jährige startet auch mit dem ersten Gebot und ist bereit, 150 Euro hinzublättern. Christian Vechtel (51) erhöht sofort auf 300 Euro, doch Markus Wildhagen (59) hält dagegen und bietet 500 Euro.

Allerdings lässt sich Vechtel nicht abwimmeln und legt nochmals 80 Euro drauf. Das ist der Augenoptikerin aus Düsseldorf jedoch zu wenig, sodass sie die Schätzung aus der Expertise preisgibt.

“1000 ist ein krasser Preis”, findet Vechtel und bietet noch 620 Euro. “Das machen wir”, stimmt Christiane Wolf zu und schließt den Deal ab.

“Bares für Rares” läuft montags bis freitags, ab 15.05 Uhr, im ZDF oder vorab bereits in der Mediathek.

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